German Only

Sonntag, 6. Januar 2019

Es ist noch nicht so lange her, da beschwerte sich ein namhafter deutscher Politiker, dass man in Berlin kaum noch einen Kaffee auf deutsch bestellen könne. Das war gewiss übertrieben, aber in der Tat findet man in D-Land ja eine Menge unnötiges und aufgesetztes Englisch („Sorry, we´re closed“) vor allem aber viel Halb- und Pseudo-Englisch zwischen dem Backshop und der neumodischen Fleischerei, die mit dem denkwürdigen Slogan wirbt: Heute schon gebutchert? Derlei ist schon sehr oft besprochen worden, ich wende mich heute daher der anderen Seite zu. Seit ich mal eine Zeitlang in einem mehrsprachigen Land gelebt habe, wundere ich mich oft, wie nurdeutsch D-Land in sprachlicher Hinsicht ist.

 

Die Deutsche Bahn versucht es ja immerhin mit Englisch, allerdings bekanntlich ohne viel Erfolg. Natürlich erwarte ich von einem wackeren Zugbegleiter, dessen Muttersprache Sächsisch ist, weder Oxford-English noch perfekte Aussprache, aber dass es to arrive at heißt, das könnte ihm doch sein Arbeitgeber mal verraten, wenn er und seine Kollegen dieses Wort täglich tausende Male benutzen müssen.

 

Auch in Börlinn, auf das sich der eingangs erwähnte Politiker bezog, haben diese berühmten hippen Start-up-Helden aus Indien in Wahrheit natürlich viel größere Probleme als der German coffee consumer, wenn sie nur Englisch können. Wie ich neulich im Radio hörte, wird ihnen von den Behörden, mit denen sie sich herumzuschlagen haben, oftmals auf der Website noch eine Begrüßung auf Englisch zuteil – aber schon einen Klick weiter wird es dann doch wieder Amtsdeutsch – eine Sprache, mit der ja auch Inländer oft ihre Probleme haben. Zurecht wurde ich bei Gesprächen über dieses Thema darauf hingewiesen, dass staatliche Stellen in vielen Ländern vermutlich noch viel einsprachiger sind, etwa in Frankreich. Aber immerhin: Wenn der niederländische Fiskus etwas von mir will, ist das nicht immer erfreulich, aber stets zweisprachig, niederländisch und englisch.

 

Ein anderes Beispiel ist die Elbphilharmonie, immerhin ein landmark building von globaler Strahlkraft: Auch dort kommen die Routine-Hinweise zum Aufzeichnungsverbot und ähnlichem zwar professionell gesprochen vom Band – aber nur auf deutsch! Ganz im Gegensatz dazu sah ich neulich irgendwo in Hessen ein Großplakat der Bundesregierung nur auf Englisch, der Titel lautete: Voluntary Return.

 

Ja, am besten funktioniert die Mehrsprachigkeit in D-Land wohl dort, wo sie dazu dient, sich die jeweiligen Fremdsprachler vom Leibe zu halten. So sah ich neulich im Wald (in der Nähe liegt eine Flüchtlingsunterkunft) den Hinweis, dass man eine Wiese nicht betreten und schon gar nicht dort Müll hinterlassen dürfe: auf Englisch, auf Französisch – aber nicht auf Deutsch! Was würde der zitierte Politiker wohl dazu sagen? Und schon zu Zeiten des Kalten Krieges waren die strengen Warnungen an den Zäunen von Bundeswehr-Anlagen immer auch auf Russisch zu lesen.

 

Da fällt mir zum Schluss noch ein ganz besonderes Stück Zweisprachigkeit ein, das ich vor vielen Jahren an einem Bahnhofskiosk sah und womit mir das ganze Thema gut auf den Punkt gebracht zu sein scheint: Hier kein Geldwechsel ! – No Chance!

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