Herr Bosbach

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Wer gehofft hatte, dass der Ex-MdB Bosbach einem etwas seltener auf die Nerven ginge, nachdem er aus dem Parlament ausgeschieden ist, sieht sich bitter enttäuscht: seine Medienpräsenz hat noch zugenommen und noch unbekümmerter als zuvor verkauft er seine Spielart des rheinischen Rechtspopulismus im Guter-Onkel-Ton als reinsten gesunden Menschenverstand. Wenn er dafür als „Querdenker“ gepriesen wird, muss ich jedesmal wichtige Haus- und Küchenarbeiten unterbrechen und mich erst einmal hinsetzen.

 

 Seit also Bosbach gar nichts anderes mehr zu tun hat, steht er dem Deutschlandfunk jederzeit und zu jedem beliebigen Thema gern zu Verfügung. Das ist für die Redakteure natürlich praktisch, vor allem bei Themen, zu denen gerade keiner etwas sagen mag. Dazu gehört die so genannte Causa Maaßen, als sie am Montag gerade erst eine weitere unerwartete Wendung genommen hat. Bosbach meint nun sinngemäß, Maaßen habe seine jüngsten Äußerungen eigens getätigt, um den für ihn vorgesehenen neuen Job lieber doch nicht antreten zu müssen. Weil er bei dessen Ausübung nämlich innerhalb der Regierung auch mit der SPD zu tun hätte, die er ja gar nicht schätzt. Als ihm das klar wurde, sei ihm die Sache wohl verleidet gewesen.

 

 Dass nun jemand, dem Bosbach eine solche Haltung unterstellt (natürlich freihändig: „ich kann das jetzt auch nicht beweisen, was ich da sage“) vom Bundesinnenminister so hartnäckig gelobt und gestützt wird, findet er allerdings völlig normal und ehrenwert. Schließlich habe ja auch ein Beamter ein Recht auf freie Meinungsäußerung.

 

Irgendeinen nachvollziehbaren Sinn hat das Gerede wirklich nicht, aber doch lustige Momente,wenn Bosbach nicht nur Angela Merkel sagt, als er Andrea Nahles meint, sondern zwischendurch auch von Horst Maaßen spricht. – Ob Jens Merz sich wohl darüber freut, dass Bosbach sich als sein Unterstützer geoutet hat?

Kommentieren