Migration bei Maischberger

Donnerstag, 6. Dezember 2018

AUSNAHMSWEISE hab ich einmal eingeschaltet. Nur um zu erfahren, welches Thema dran wäre, natürlich war es der UN-Migrationspakt. Also habe ich mir die erste Halbzeit angeschaut. Dies ist aber keine Fernsehkritik, sondern eine willkürliche Sammlung von Dingen, die mir aufgefallen sind.

 

Als erster darf Cem Oezdemir etwas sagen. Er klingt ganz vernünftig wie immer – und wie so oft ein wenig ZU vernünftig im Sinne eines glatt geschliffenen Mainsteams. Bei diesem Thema besteht dieser Mainstream vor allem in der Behauptung, der Pakt sei im nationalen Interesse D-Lands: Wenn nämlich andere Länder aufgrund der Vereinbarung zu ihren jeweiligen Zuwanderern genauso nett sind wie wir, dann müssen nicht mehr alle hierher kommen, um es gut zu haben.

 

Dieses Argument, was immer man sonst davon hält, kann natürlich diejenigen nicht überzeugen , die sich wünschen, dass wir Migranten ENDLICH und MINDESTENS ebenso mies und unwürdig behandeln wie viele andere Länder das heutzutage tun. Zu denen gehört Herr Gauland – der argumentiert aber ganz schwach, vor allem beruft er sich fortwährend auf ehrenwerte und rundum unverdächtige Staaten, die nicht unterzeichnen wollen: Australien und Österreich. Dass es sich  jedenfalls in letzterem Land nur deshalb so verhält, weil dort seinesgleichen mitregieren, macht das Argument zum leeren Zirkelschluss. 

 

Andere Länder, die als Kronzeugen in Gaulands Sinn  vielleicht besser geeignet wären, nennt er interessanterweise nicht: die Schweiz zum Beispiel; vielleicht damit die Zuschauer nicht gewisse Parteispenden assoziieren? Oder Israel – vielleicht aus Rücksicht auf die Antisemiten in seiner Partei? Was sagen die „Juden in der AfD“ dazu, von denen wir neulich noch so viel hören durften? Stattdessen ruft er plötzlich „Dänemark“, wie immer er nun darauf kommt. 

 

Im Übrigen frage ich mich, warum der Gauland im TV so grauenhaft angezogen ist. Ich meine nicht altmodisch, ich meine nicht die ebenso abgeschmackte wie berühmte Hundekrawatte – ich meine grauenhaft. Der nette Opa, den er manchmal darzustellen versucht, würde SO nie herumlaufen. Ist das nur ein Tribut an die Geschmacklosigkeit, die er den Anhängern seiner Partei unterstellt – oder ein Signal an den radikaleren Flügel, dass auch Opa Gauland in der Lage ist, Schrecken zu verbreiten – zumindest ästhetisch?

 

Auch Herr Weber ist da, jener sonst unauffällige Herr mit der aparten Inselglatze, wie sie frueher an Olaf Scholz zu bewundern war. Er will vor allem beweisen, dass man für den Migrationspakt sein kann und zugleich ein rabiater Gegner der Migration. Die Vision dieses leidenschaftlichen Europaeers endet nicht nur an der allseits beliebten AUSSENGRENZE, sie beginnt dort auch. Schon nach zwei Sätzen redet er vom Grenzzaun in Bulgariens, der ihm gut gefallen hat. Dass auch Bulgarien zu den von Gauland nicht erwähnten Beispiellaendern gehört, die beim Pakt nicht mitmachen wollen, fällt auch Frau Maischberger nicht auf oder ein. Vielleicht, weil Herr Weber so schnell und unbetont redet, als sei alles, was er sagt, irgendwie selbstverständlich. Deshalb und weil er so langweilig ist, gilt er als moderat. Ein idealer Spitzenkandidat – jedenfalls für die Europawahl. 

 

Positiv faellt heute ausnahmsweise die SPD auf, denn sie wird von Frau Schwan vertreten. Sie traut sich zu sagen, dass es beim Pakt darum geht, die Migration nicht nur als Thema und Tatsache anzuerkennen, sondern AUCH auf deren positive Seiten hinzuweisen. Leider muss allerdings auch Claus Strunz noch erwähnt werden – warum er eingeladen worden ist habe ich nicht verstanden. Es scheint damit zu tun haben, dass Stefan Aust irgendwas in der Welt am Sonntag geschrieben hat. Muss er den nun vertreten, nur weil er ebenso rechtslastig und selbstgefällig ist? Egal – Strunz redet erst einmal staatsmännisch abgeklärt daher, lobt sogar Cem Oezdemir auf nicht ganz nachvollziehbare Weise – vermutlich um gleich klarzustellen, dass er nichts gegen Ausländer hat. Gleich danach nämlich schreibt Herr Strunz den Vereinten Nationen ins Stammbuch, dass sie ihr Dokument als ANTI-Migrationspakt hätten ausrichten und bezeichnen sollen. Na denn.

 

Und MAISCHBERGER selbst? Stellt in einem fort mit großer Hartnäckigkeit so substanzielle und scharfsinnige Fragen wie die an Herrn Weber, wie es denn sein könne, dass auch sein Parteifreund Ramsauer den Pakt für gefährlich halte und was er denn dazu zu sagen habe. Darauf weiß sogar Herr Weber eine gute Antwort: Das solle sie doch bitte den Ramsauer selber fragen. 

Etwa an dieser Stelle habe ich abgeschaltet. Wenn von den LeserInnen jemand weiß, was ich dadurch verpasst habe, dann schreibe sie oder er dazu bitte einen Kommentar. 

 

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